CO129-166 - Public Offices & Others - 1873 — Page 610

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könnte es leugnen und wer würde nicht, so lange sich hina nicht zu einer rigoröfen Umwandlung feiner Gesche entschloffen hat, die das Naturrecht des freien Bertrags zu einem Menschen. recht veredelt und den verderblichen Opium - der ihm freilich von den Engländern aufgezwungen wurde - rerbannt, die Regierungen Europa's für verpflichtet halten, mit aller Energie der Wiederkehr der finstersten Mißbräuche überwundener Kultur- epochen vorzubeugen, wie sie hier die Bedingungen ihres Wucherns leider noch bei einander finden.

Leiter regiert das Suteresse mehr als billig die Welt. Wir werden von den Staaten, welche diese Kulis aufnehmen, aum eine Menderung der Verhältnisse erwarten können. Man ist dort an die Sklaverei noch gewöhnt, derfelben freiwillig an ent Jagen noch kaum in der Lage, und nimmt die Kulis als Surro- gat mehr als willig entgegen. Sind doch selbst die englischen Kolonien in Oft- und Westindien entschieden gegen ein Verbot der Kuli - Einfuhr aufgetreten; um wie viel weniger also werden die von Romanen bewohnten Länder Südamerika's irgend einer Regelung gern entgegenjehn. Soeben erst erläßt der Staat Teras ein Geses, welches bestimmt, daß Einwande rer, welche einen im Auslande geschlossenen Kon traft nicht halten, zur Zuchthausstrafe verurtheilt werden sollen. Das ist gewiß eine Warnung für deutsche Parceria Kontraktlustige, denn thatsächlich besteht dieses Ver- hältniß für deutsche Arbeiter auf brasilianischen Plantagen schon seit einem Viertel Jahrhundert, mehr aber als auf diesc bürste es auf die Kulis gemünzt sein, welche gerade das weftliche Nordamerika als ihr Eldorado betrachten und dort= hin mit einer Auswanderungswuth sich drängen, die in den topflofesten Zeiten in Deutschland nicht ihres Gleichen fand.

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Um nur hinüber zu kommen, unterschreibt der unvermögende Chinese jeden Kontrakt, der ihm von einer der fleben großen chinesischen Kompagnien, welche diefes Transportgeschäft zwischen chinesischen Häfen und S. Francisco betreiben und zwar nur auf den großen amerikanischen Dampfern, die auf jeder Reise an 800 bis 1000 folcher Leute mitnehmen, vorgelegt wird. nun auch diese Gesellschaften sich die Ueberfahrtskosten von 50 Dollars, wohl dreimal wieder bezahlen laffen, so machen sie fich doch keiner ausgesprochenen Gewaltthätigkeit schuldig, so gewiß es auch ist, daß eine geheime Gerichtsbarkeit unter der (Shinesen selbst in Kalifornien besteht, die in einigen Fällen fogar Todesstraje verhängt und selbst im Stillen auszuführen weiß, und daß diese Gerichtsbarkeit vornehmlich im Interesse dieser Vorschußgefellschaften geübt wird. Diese Einrichtung scheint den Chinesen volkommen zu konveniren und felten fällt es vor, daß einer der Hcrübergebrachten gegen die Gesellschaft lage führte. Jedenfalls ist diefes nicht mehr Kullhandel, indem der zeltweilig verschuldete Chinese äußerlich ganz frei ist und jeine Kräfte, wie ihm beliebt, verwerthen kann, wobei er nur unter scharfer Beobachtung seiner Krediteren bleibt, bis er seine Schuld allmählig abbezahlt hat. Es ist vielmehr ein gänzlich chinesisches Institut, bei dem tein Europäer oder Amerikaner betheiligt ist, auch bestehen dagegen Ginwendungen nur Seitens selcher amerikanischer und irischer Arbeiter, welche die Ghincsen wegen des geringen Tagelohns, den fie nehmen und wegen ihrer allgemeinen Anstelligkeit als Nebenbuhler hasjen, und diesem Gefühl durch einen ausgeprägten Maffenhaß Ausdruck geben, der bereits mehrfache bedanerliche Ausschreitungen und ungerechte selbst grausame Behandlung der Chinesen hervorgerufen hat. Anderseits finden Diese nicht nur Seitens der bereits sehr ein- Rußreichen chinestschen Kapitalisten in S. Francisco felbft, als

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auch Seitens der amerikanischen Kapitalisten und Arbeitgeber Schuß, wodurch der bereits mehrfach versuchten Verhinde der Zufuhr derfelben vorläufig wenigstens vorgebengt zu sein scheint. Grafter ist in lester Zeit der Widerstand gegen die Herbeibringung von chinesischen Frauen geworden und zwar in Folge der Einmischung einiger frommer Gesellschaften, die An- stoß an der faft öffentlichen Versteigerung derselben unter den Chinesen nehmen, welche die genqnuten Gefellschaften fehr vortheil. haft fiuben, weil bis jept noch nicht 10 chineftsche Frauen auf 100 Männer kommen und auf diese Weise sehr hohe Preise oft bis 1000 Thlr. für eine Frau bezahlt werden. Hene frommen Gesellschaften behaupten, daß viele diefer Frauen für öffentliche Säufer ersteigert würden. Bedauerlich wäre es, wenn and die. sem Grunde die Herstellung eines natürlicheren Verhältnisses durch die Herbelbringung einer weit größeren Anzahl von Frauen als bisher erschwert würde.

Ucberflüßßig ist hier zu bemerken, daß auf fast eine halbe Million Kulis, die sowohl in Peru als in Cuba seit 25 Jahren eingeführt werden sind, auch nicht eine Chinesin mitgebracht wurde, in Folge woron bei der Entartung, sowohl der Cubaner als der Peruvianer selbst, deren Sittenlostgkeit mit Einschluß ihrer Geistlichkeit bis ins Haarsträubende geht, diese unnatür lichen Zustände stich völlig entmenschlichend geltend machen. Der Transport von Frauen verbot sich an Bord von Schiffen, auf denen 500 bis 900 der Unglücklichen auf achtjährige Zwangsarbeit verschleppt, in enge, vergitterte Schiffsräumte verpackt sind, vou felbft, und wird sich so lange verbieten, als nicht mit energischen Gescßeßmaßregeln und strenger Ueberwachung durch eine besondre dem Kapitain womöglich koordinirte Schiffspolizei gegen Fahr. lässigkeit an Bord auf Emigrantenschiffen vorgegangen wird.

Die Schilderungen dieser Gräuel an Bord sind zu peinlich, um fie wieberzugeben. Sei es gesagt, daß dort alle Entfeßlich- feiten der Sklaverei und der Folterkammern in der raffnirtesten Weise ihre Resurrektion feiern. Die größten Entbehrungen sind selbstverständlich. Von Deck ausgeschloffen, in Schmuß und völlig putriber Euft, unter Eisengittern bei wahrhaftefter Schweine- kost (mennen doch die Chinesen, die selbst nicht entfernt europäi. che Begriffe in Betreff der Reinlichkeit haben, diefen ganzen Haudel: Schweinehandel) verbringt der Kuli die tropische Fahrt über den Ozean unter Seefranfheit und Ungemach. Sede Wider- feßlichkeit wird auf das brutalste geahnbet. So hängte man z. B. ohne große Provokation einen armen Kert drei Stunden lang am Zopf an die Nage bei bewegter See, und warf ihn, da er dieser Qual erlag, unregistrirt, unbefungen und unbetrauert über Bord den Fischen zu. Der Mann hatte eine Rebe gehalten, was man ihm als Aufreizung auslegte und wofür man ihm ben und auf ewig stopste. Meift schlägt man, um sich einen Weg durch die Maffen zu bahnen, blindlings mit Bleiknuten um fich und läßt etwaige Seichen im Raum bis zu gelegener Zeit liegen, wie toote Fische in einem großen Prahm --- und dies find Menschen, find sogar vorzügliche Menschen, wirthschaft. lich, spar- und arbeitsam! Drüben angekommen, versteigert man ste an den Meistbietenden und schleppt sie auf irgend eine stille Plantage ins Inland, wo kein Hahn danach kräht, wenn sie von bort nimmer wiederkehren. Jedenfalls werden te bort in einer Weise ausgenüßt, die man dem früheren Sklaven gegenüber nicht anwenden fonnte. Je näher der Ablauf der Bertragszeit, um so energischer arbeitet man auf die lehte Kraft deß unglück- seligen Chinesen los, dauert ste noch länger, schout man ihn Anfangs und preßt ihn erft zum Schluß aus - in jedem Falle ift ber Kuli ein fichwer betrogener Kontrahent und in den meisten

tritt er wenn er's überlebt -- dem Tode nahe, oder doch bis jam Tode gefchädigt, als gebrochenes, ausgemergeltes, willen. Lofts Skelett in den Zustand der Freiheit zurück, um alle Aus- länder bis in seine Todesstunde hinein zu verfluchen und die Daheimgebliebenen durch seine schriftlichen Mittheilungen, deren er meistens fähig ist, mit Vorurtheilen zu füllen, die durchaus berechtigt, sich früher oder später auf das Virterste fühlbar machen dürften.

Der Kuli ist nach Allem, was wir sehen und hören, ein Sklave - ein werthlofez Sklave, werthlos insofern, olë man nicht für seinen vollen Werth zu bezahlen braucht - was Bun- ber, daß er sogar noch schlechter behandelt wird, als der Neger Wir haben Er ist Baare, spottbillige Waare. ron chedem. es hier unterlaffen, die Greuel ausführlich zu schildern, denen er ausgefest ist, unb bie, von Augenzeugen felbft hundertfach be- glaubigt, instinktiv zur Ehre der Menschheit als unwirklich ge- dacht werden, da man in der That das Böse im Menschenleben schon ziemlich genan in seiner geheimen Nüftkammer kennen ler nen mußte, um zu ahnen, wie erbarmungslos zwei verschiebene Menschenraffen als Herr und Kuecht, als Superkargo und Waare, als Spekulant und erschwindeltes Eigenthum - man weiß, wie Schwindler schleudern! als spanisch-portugiesischer Matrose Sat und mongolische Sklavenfracht mit einander verfahren. man doch Fälle, wo aus Kanonen mit Glasscherben unter die in Verzweiflung sich erhebende, verhungerte und verdürftete Wasse gefeuert und die angeschossenen einfach über Bord geworfen wurden. Wer muß nicht innerlich wenigstens dem englischen Richter Smale Recht geben, wenn er diesen schrecklichen Handel für gleichbedeutend mit Seeraub erklärt und auf besondere Ne- striktionen und Ueberwachung der Kuliverträge dringt. grünen Tische wird dergleichen Kühl besprochen und in der „un- nöthiger Weise so hizig angeregten Frage“ „beruhigend" reagirt; wer aber wie dieser Richter Smale den Thatsachen Angesicht zu Angesicht gegenübersteht, ober ein wenig Bergegenwärtigungs- gabe befigt, um die Worte, die ihm derlet Schrecklichkeiten dar- stellen, mit Blut und Leben zu füllen, wird mit Energie Proteft gegen die Fahrläßßigkeit unserer internationalen Schiff. fahris- und Handelsgejchgebung, erhoben wissen wollen, welche erlaubt, daß lebende Menschen wie elastische Güter gefrach- tet und ihrer Freiheit beraubt wie verdorbenes Fleisch verschleu- dert werden sollen. Diese Einsengerichtmoral ist wohl auf den Aussterbe-Etat gejekt. •

Ueberall, wo zwei verschiedene Raffen mit verschiedenen An- shaunngen einander berühren, wird es besonderer Gefeße bedür- fen, um das zu ersehen, was Verständniß und Sympathie in anderen Fällen thun, and um die eine Rasse vor Ausbeutung und Mißbrauch durch die andere zu schützen, wenn anders nicht eventuell beide schwer geschädigt werden sollen.

Benn wir nur dies durch die Kulifrage lernen und auf und selbst anwenden, so lernen wir schon viel und haben allen Grund gehabt, dieselbe nicht zu unterschäßen.

Das Kulihalten ist, wie aus Obigem hervorgeht, ganz ebenso verwerflich als der Kulihandel, und wie nur der Frans, port ganz freier Chinesen gestattet sein dürfte, so sollte auch ihr Engagement nur unter einem ganz freien Cohukontrakt mit womöglich gesetzlich festzustellenden Kündigungsfristen stattfinden können. Ein derartig bestimmt einschreitendes Gesetz scheint allein dem Mißbrauch, der mit diesen gutgearteten, aber leichtsinnig vertrauensseligen Söhnen des himmlischen Reichs getrieben wird, Htenern zu können.

Wenigstens müßte, wenn auch ein allgemeines Gefeß dieser

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Art vorläufig noch in weiter Ferne liegen sollte. Deutschland, das in gewisser Hinsicht durch die Wirksamkeit des Generalkonsul Stura Ach die ideelle Initiative in dieser Frage zuschreiben kann, feinerseits unverzüglich vorgehen, um die gegebene Anregung über den tobten Punkt der Indifferenz hinaus zu führen. freut une deshalb zu hören, dah die in voriger Periode nicht unbeachtet gebliebene Petition des genannten Herrn beim Zu Jammentreten des neuen Reichstags ihre definitive Erwägung finden foll,

Leider sind die Deutschen nicht ohne Antheil an dieser Bar- barei geblieben. Deutsche Schiffe find wiederholentlich von Spaniern und Peravianern in Macao gechartert worden, um Kulitransporte nach Habana und Callas zu übernehmen, und einige deutsche Namen sind uns als vollziehende Konsula in Macas, als Direktoren von Gesellschaften in Peru, als Plan- tagenbeßßer, Rheder u. s. r. genannt worden, die ohne Zweifel den Kulthandel betreiben und von demselben in seiner jezigen unmenschlichen Handhabung Vertheil zichen.

Um so mehr also ist es erforderlich und um se mehr wenig. stens ist es gerechtfertigt, daß von Deutschland aus ein Proteft gegen diese Verunglimpfung des deutschen Namens erhoben werde. Ein solcher Proteft ist eine moralische Strafe und verlegt Niemanden als den, der es verbient, ein solcher Protest ist aber noch mehr; er ist die den Oftastaten dargebotene Friedenshand zu einem Schuß- und Trußbündniß gegen die finsteren Mächte schrecken und zügelløjer Habfuchtsinstinkte, wo immer sie sich geltend machen foliten, und wird als solche von ihnen - kir zweifeln nicht daran - mit Dank angenommen werden.

Was soll man aber zur englischen Regierung jagen, welche sich an der Spige aller humanen Bestrebungen zu bewegen vorgiebt, und unter deren Augen es möglich ist, daß die Glieder eines civilisirten | Volkes, wie das der Chinefcn', welche fast durchweg lesen und schreiben können, und des tiefften Gefühls fähig find, in Deme- rara und auf Samatka wie das liebe Vich behandelt werden. Was soll man zu einer Regierung jagen, die ihrer Kolonisten, aristokratie (freilich sehr fragwürdiger Natur, da sich die Söhne und Enfel transportirter Verbrecher unter diefelbe mischen), ihr Ohr leiht und auf Grund der großen Sterblichkeit unter den Kulis eine erhöhte Zufuhr anregen und auf Grund des großen Prozentsatzes der Kulis, die in Gefängnissen schmachten, diesen eine Entschädigungspflicht aufladen will.

Es sollen cie armen Chinesen, welche nach dem Gutoünfen der die Gerichtsbarkeit ganz beherrschenden großen Plantagen- besizer in arbeitsloser Zeit eingesperrt werden können, diese so ver- brachte Zeitsumme nach Ablauf ihrer fünf over achtjährigen Kontrakte ohne Cohn nacharbeiten müffen, falls ste überhaupt diese Periode überleben, was bei der systematischen Ansunßung ihrer Kräfte gerade in den lehten Jahren ihrer Gebundenheit sehr selten der Fall ist. Dies scheint uns in Europa un* glaublich, und doch ßigen die Berursacher solcher Zustände abnungslos als die Blume der Gesellschaft mitten unter uns. 66 sind die „absentees", die Abwesenden, in Bädern und in Society mit Töchtern, Pferden, Equipagen, silbernen Ser- vicen, fashionablen Diners hoch angesehenen Herren, welche den Heil treiben. Geld und immer wieder Geld soll der Verwalter aus der Kolonie nach Hanje schicken und der Aufseher muß es fluchend den Chinejen abzwacken. Was aber find ihnen diese? Sle find durch ihren gerechtfertigten Widerstand gehässig, als Mitglieder einer andern Race, als stumme röpfe mindestens gleichgültig, als in unverschuldetem Schmuh ver- kommende Ursache seiner Ungemächlichkeit widerwärtig. Er muß

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